Villanova d'Albenga

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Das grosse Fressen - so wird diese Episode wohl in Erinnerung bleiben.

Die Abgeschiedenheit N's hinter uns lassend, kurven wir durch die bergigen Strassen des Piemonts und von Ligurien. Der angepeilte Zeltplatz ist zwar nur von Italienern bevölkert, aber der Bereich für Zelte liegt direkt neben dem Autoparkplatz. Weiter!
In Meeresnähe, mit steigenden Temperaturen sinkt die Geduld. Schatten und eine Dusche werden zunehmend zwingend! Aber weder Airbnb noch Agriculturas reagieren. Wetterapps prognostizieren Regen in den kommenden Tagen. So hat die Sinora im Feriendorf "C’era una Volta“ ziemlich leichtes Spiel, uns von unserem Glück zu überzeugen, für drei Tage ein Plastikhäuschen oben auf dem Hügel zu vermieten. Gute Wahl! Am nächsten Tag giesst es wirklich wie aus Kübeln. Die dürstende Erde freut’s. Im Bett zu liegen und dem Prasseln zuzuhören macht Spass!

Nach dem Regen wollen wir im Städtchen Albenga einkaufen gehen. Die paar Kilometer sind kein Problem, dass hier niemand zu Fuss unterwegs ist allerdings schon. Als wir wieder den Hang raufkraxeln, erweist sich das Restaurant am Weg als Glücksfall, da weit und breit die einzige Toilette. Restaurant gibt einen falschen Eindruck. Vielmehr ist’s eine Anlage mit weissen Herzen, weissen Laternen in Bäumen und ganz vielen sorfgältig drapierten Gegenstände, die alle eins vermitteln: heirate hier!
Nun, wir wollen nur auf die Toilette. Von den zwei Leuten spricht der eine Deutsch und erklärt, das Restaurant sei zwar zu, aber letztlich serviert er uns einen Kaffee und die Toilette ist auch zu benützen. Sehr einnehmend. Als er dann sagt, am nächsten Tag werde ein Mehrgänger gegeben, sagen wir aus lauter Sympathie zu.
So kommt es, dass wir zwar nicht heiraten, aber uns mit grosser Lust, der lokalen Speise- und Trankkultur hingeben. Anfänglich mit grosser (G)Lust, mit jedem Gang dämpft sich die Euphorie allerdings merklich. Sechs Gänge, ohne Dessert! Die in ein Schokoladenmus ummantelte Pfirsich wird wie das After Eight in Monty Pythons „Meaning of Life".
Bemerkenswert sind die frittierten und mit Salz bestreuten Teigstangen, die an Kalemarieringe erinnern. Sonst? Mit viel Lust fürs Detail zubereitetes Essen schmeckt lecker UND macht einen prallen Bauch.
Zum Glück habe ich „Bittere Wahrheit“ eingepackt, die uns mitten in der Nacht vor Bauchschmerzen und Magenbrennen bewahren.
https://youtube.com/shorts/wQm3TQ538ws?feature=share

Zu sich finden

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Blick zum Wohnkonteiner von der Abwaschecke aus gesehen

Entschluss nach einer Nacht in einem Aosta Seitental. Kriterien: die wenigsten Kilometer mit der Aussicht bis Ende September Zelten zu können - Korsika!

Südwärts fahrend, erinnern wir uns an N. Eine Zufallsbekanntschaft von Anita, die wir dann zusammen vor Jahren auf unserer Heimreise von Sardinien für eine Nacht besucht haben.
Anita schreibt sie an und umgehend kommt die Antwort. Ihr kleines, sehr simples Bauernhäuschen, das im Winter nur um den Ofen in der Küche rum beheizbar war, sei vor drei Jahren abgebracht. Wenn wir mögen, sollen wir kommen.

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Irgendwo in ihrem Dschnungel stehen noch ein paar Gasflaschen rum. Energie zum Heizen und kochen.

In der Tat, das Anwesen ist nicht wiederzuerkennen. Alles ist überwachsen, nur ein kleiner Platz vor ihrem Wohnkontainer ist gemäht. Dort sitzt N., bittet uns Platz zu nehmen und führt uns gleich ein in ihre Welt: Sie und ihre drei Schweizer Freundinnen und eine US-Amerikanerin (Trump-Wählerin), unterstützen einander und sind alle überzeugte - ich denke bald „streitbare“ - Impfgegnerinnen. Sie informiere sich bei Roger Köppel, Europa ist im Niedergang und sollte sich mit Russland einigen.
Ups, definitiv nicht meine politische Heimat. Ich merke bald, da dazwischen zu grätschen ist sinnlos, aber warum nicht zuhören?

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Abwaschen, Pflanzen giessen, duschen - das Leben kann sehr simpel sein.

Das Abbrennen des Hauses ist eine Befreiung gewesen, sagt sie. So viele Sachen, um die ich mich nicht mehr kümmern muss. Das Land gehört ja dem Nachbarn. Der will vielleicht ein Häuschen mit WC und Dusche hinstellen - mal schauen, meint sie. Seine Frau meint, eine so alte Frau sollte doch ein richtiges WC haben. Mmmmh, es geht auch so!
Hier habe ich meine Frauen. OK, die Männer fehlen schon, aber die sind ja alle gestorben. Jedenfalls, morgen ist Frauen-Feiertag, meine Freundinnen kochen und während wir essen, waschen wir meine Kleider. Ich habe keine Waschmaschine mehr.

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Das WC ist ein Plumpsklo. Etwas Erde drauf und nichts stinkt. Im Winter wird es aber wohl recht kalt, denke ich.

Warum Coroan? Die Panama-Papers oder der weiterhin sorglose Umgang mit Ressourcen und die Umweltproblematik scheinen mir viel problematischer. Oder ist dieses Kultivieren eine Art Religion und alles lässt sich in gut und böse, schwarz und weiss einteilen und dich mit Gleichgesinnten verbinden? Mmmh, ich sehe Unterschiede, trotzdem, ich versteh’s nicht.

Was ich aber verstehe und was mich zutiefst berührt, N. ist 83 jährig und lebt nur zuammen mit ihren Tieren absolut abgelegen irgendwo auf einem Hügel im Piemont. Mit den Geissen geht sie morgens und abends spazieren. 

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 Am Arsch der Welt - Ruhe, wirklich Ruhe, ziemlich viel Einsamkeit und viel, viel Platz!

Die Wölfe greifen Geissen an, Menschen nicht. Meint sie jedenfalls.  

Das Land gehört mittlerweile dem Nachbar. Sollte sie sterben, habe alle Tiere ein Plätzchen. Mitten in ihrem Dschungel ist alles organisiert.
Letztes Jahr war sie genau einen Tag in der Schweiz. Da ist alles zu viel: zu viele Menschen, zu viel Rummel, zu viel von allem! Abgesehen davon, dass sie von ihrer kümmerlichen AHV in der Schweiz nicht leben könnte - und Unterstützung will sie nicht.
Köppels Weltbild dringt immer wieder durch, bleibt aber so voller Widersprüche, wie es meine eigene Welt ja auch ist. Da beginne ich mich wiederzuerkennen. 

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Während wir unser Geschirr feinsäuberlich abwaschen, scheint N. solcher Aufwand ziemlich überbewertet. Das braune Trinkglas und  tagelang ungewaschene Füsse zeugen davon. U ne so geit’s o!

N. hat ihre Kinder alleine gross gezogen, war Lehrerin, Bäuerin und hat eine vierjährige Tantra-Ausbildung gemacht.
Ohne Meditation könnte ich nicht so leben, wie ich lebe, sagt sie mit Bestimmtheit. In der Meditation habe ich meine Schattenseiten erkennen müssen. Das war manchmal ziemlich schmerzlich
Das ist der Punkt, wo ich weiss, warum ich ihr zuhöre und sie mich berührt. Politische Themen mögen wichtig sein. Diese Art von Spiritualität, die persönliche Auseinandersetzung, was ist mir wichtig und wie möchte ich gelebt habe, das sind Dinge, die mich wirklich interessieren. 
Danke N.! Du erinnerst mich einmal mehr daran.

Huch, ganz schön heiss hier

12.8.2026

Und zweitens anders als man denkt.

Bei mir findet im Moment ein Umdenken, Neudenken statt. Das hat nur sehr bedingt etwas mit meiner Pensionierung zu tun.
Morgen fängt die Schule wieder an und ich habe mich zumindest gefühlt seit Jahrzehnten auf diesen Moment gefreut. Alle SchülerInnen und Lernende inklusive Lehrkräfte und Eltern sind aus den Ferien zurück – und ich, respektive wir ziehen los und entdecken die Welt, während fast alle andern an der Arbeit sind. Soweit der bisherige Plan. Nun, was hat sich verändert? Die Welt!
Eigentlich ja nicht erst seit heute. Gewarnt wird seit Jahrzehnten. In ein paar Jahrzehnten verbrennen wir die Energie, die Millionen, wenn nicht Milliarden Jahre gebraucht hat um sich in Kohle und Erdöl zu verwandeln. Dass dieser Prozess einen Impakt hat, ist jetzt wirklich nicht erstaunlich. Wie verletztlich wir sind, wenn das Wasser fehlt, haben wir über Wochen und Monate erleben müssen.

Nun, morgen fängt die Schule also wieder an. Wie auf dem Foto vom Borisried sind grosse Teile Europas am Austrocknen und man kriegt eine Ahnung davon, was uns in den nächsten Jahren bevorsteht. Kreuz und quer mit dem Auto durch Europa rumzufahren, nein, geht irgendwie nicht mehr.

Als ich letztes Wochenende nach Amsterdam gefahren bin, um Miro beim Umzug zurück in die Schweiz zu helfen, bin ich zweimal gegen 12 Stunden auf der Autobahn gewesen. Bei jedem Stopp bin ich mir erst beim Aussteigen bewusst geworden, wie affig heiss es ist, während es im Auto angenehm kühl ist. So sehe ich an diesen beiden Tagen tausende Autos mit mir und an mir vorbei brausen. Shit, ich bin im falschen Film! Was machen wir da?

Was ich seit Jahren mehr oder weniger erfolgreich verdrängt habe – dieses Wegschauen gelingt je länger desto weniger. Wir können auf sehr viel verzichten, auf Wasser nicht und wir können nicht so tun, als ob die Klimaveränderung nicht was mit unserem Handeln zu tun hat.
Wir werden wohl in den nächsten Tagen mit unserem Auto Leute besuchen gehen, spontan und der Nase nach, aber die ursprünglich geplante Tournee ist definitiv massiv geschrumpft. Dass wir unser Leben neu denken müssen ist klar, was das für unser konkretes Handeln bedeutet, ist noch unklar.

Hitzschlag

Schon bedrohlich, was da auf uns zukommt. Zugleich ist Angst ein schlechter Ratgeber. Hinschauen ist angesagt.

Ganz schön das Meer und den Sonnenuntergang im Norden zu erleben, aber dann waren mir der Rummel und das Touristische dann doch zuviel.

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Da läuft einiges schräg im Moment. Dass solch eine Gangstercrew wie sie im Moment in Israel am Ruder ist nicht gestoppt werden kann, ist schwer zu ertragen - auch dass nur wenige den Mut haben, diese auch beim Namen zu nennen!

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Da ist ein mutiger und soweit ich das beurteilen kann gradliniger Mensch abgetreten

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Borisried: Egoistisch betrachtet erlebe ich einen wunderbaren Sommer. Bei strahlendem Wetter kann ich mich jederzeit auf Radl schwingen und in meiner absolut mega schönen Um-Welt rumkurven – auch wenn bei genauerem Hinschauen die Trockenheit offensichtlich ist.

Out in the Kraut

8.8.2026

Im Schangnau hippy flippy kunterbunt, super organisiert – wir wähnen uns in unsere Jugendzeit zurück. Tolle Begegnungen mit liebenswerten Menschen! Highligt für mich sind Naomi Falcon, Marbach und Andreas Trash Band.

Velo-Trip in den Jura

9.- 14.8.2026

Anfangs Sommerferien, Anita geht auf ihre jährliche Frauen-Bergwanderwoche und ich… will rausfinden, wie weit ich mit meinem Rad vorwärtskomme. Auf meinem Fully, wie man heutzutage mein Mountain-Bike nennt, lässt sich aber kein richtiger Gepäckträger montieren. Lediglich ein Arm kann an der Sattelstange befestigt werden. Was mich zunächst begeistert, weil so simpel, erweist sich bald als völlig unpraktisch, um nicht gefährlich zu sagen. Der Schwerpunkt ist viel zu hoch oben, was das Velo instabil werden lässt und damit schwer zu lenken.

Bis nach Elach, wo ich die erste Nacht verbringe, ist noch alles ziemlich cool. Beim Aufstieg von da auf den Casseral rauf, wird die Instabilität schon deutlicher spürbar. Aber da der Verkehr minim ist, stört das noch nicht heftig. Aber von St.-Imier zum Camping «les Cerneux» rauf, zittere ich jedes Mal, wenn ein Lastwagen an mir vorbeidonnert und ich krampfhaft versuche den Lenker ruhig zu halten.

Der Camping erweist sich aber als Entdeckung und mit seinem kleinen Naturteich als Bijou.

Am nächsten Tag besuche ich Andi und seine Familie. Sie leben in der Nähe von Le Noirmont. Dass sie fast an der französischen Grenze, ziemlich abseits in einer wunderbaren Landschaft wohnen ist das Eine, das Andere, sie bewegen sich nur via ÖV oder mittels Fahrräder. Mit Andi und seinen Kindern kurven wir per Velo zum Etang de la Gruère und später zur Ruine Spiegelberg, wie’s auf Deutsch heisst. Die Kinder legen diese Distanzen mühelos zurück, was mich zutiefst beeindruckt. Das und die. augenfällige Trockenheit rüttelt fundamental an meinem bisherigen Autofahrer-Selbstverständnis. Seither, mit jeder neuen Hiobsbotschaft, wird mir mehr und mehr bewusst, dass ich mein bisheriges Verhalten ändern muss.

Nach einer weiteren Nacht auf dem Zeltplatz in Saignelégier kämpfe ich am nächsten Tag gegen den Gegenwind und radle durch den Neuenburger Jura – eine weitere wunderbare Landschaft – nach Travers. Dort habe ich keine Lust mehr, mich dem Wind entgegen zu stemmen und nehme den Veloweg nach Neuenburg. Der Abschnitt durch die Areuse-Schlucht ist einfach nur schön!

Zwei Erkenntnisse aus diesem Trip:

die Schweiz ist wunderschön und bietet auf kleinem Raum so viele wunderbare Ecken zum Entdecken.
ich schaffe auch längere Strecken per Velo zurückzulegen. Schön!

Mann über Bord - abgetaucht

2.7.2026

18:44 zeigt die Uhr, als Andi am Donnerstag Abend dieses Foto festhält. Nun bin ich wirklich weg. Und es ist kaum zu glauben, wie sich augenblicklich ein längst vergessen geglaubtes Gefühl einstellt: Zeit haben. Im Zug von Bern nach Niederscherli melden sich Amanda und Wanja und gratulieren, andere wie Thisu beglückwünschen mich auch. Ja, ich denke, das darf man schon etwas zelebrieren, auch wenn ich in diesem Moment einfach nur müde bin nach der Abschlussreise mit meiner letzten Klasse, der BPI25Bd. Dabei war diese – meine wohl letzte Schulreise – eine wirklich runde Sache und hat mich mit vielem versöhnt, was… sagen wir mal… suboptimal gelaufen ist.
Später wird mir in den Sinn kommen, dass wir meinen Vater wohl kaum so gefeiert haben und dass ich das heute bedaure. Es ist eine Art Geburt, eine ganz entscheidende Veränderung im Leben eines Menschen.
Ich denke, man darf ganz ruhig alle möglichen und unmöglichen Anlässe zum Grund nehmen ein Fest draus zu machen einfach weil wir das Leben feiern sollten – solange wir leben!

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Mit Andi habe ich das Glück gehabt, ein Jahr lang zusammen eine Klasse zu führen und gemeinsam die Abschlussreise durchzuführen.

Jetzt ist (fast) Schluss!

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29.6.2026

3– 2 – 1, so geht’s jetzt ab in den nächsten Lebensabschnitt.
Den heutigen halben Montag verbrachte ich mit Suchen meines Portemonnaies, das ich dooferweise nicht mehr finden konnte. Super Start!
So fuhr ich die letzten drei Tage mit dem Fahrrad ab, um dann wieder zuhause, das Teil im Schwimmsack zu finden. Das ist an sich nicht allzu dramatisch. Die Feststellung je länger desto vergesslicher zu werden allerdings schon. Na, wohl Zeit für die Pension!

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Erwähnenswert war allerdings der Freitag Abend, als das Team hier war. Ein echt gemütlicher Abend. Dass Oliva uns Abgehende so ausführlich würdigt, hätte ich echt nicht erwartet und ihre extrem wertschätzende Art war berührend. Die Staffelei, der Bilderrahmen mit dem vorgezeichneten Rütschelengasseschulhaus, der Ölmalkasten und nicht zuletzt der Gleitschirmflug, all diese Geschenke habe ich wirklich nicht erwartet. Umso überwältigter war ich davon. Ja, ein tolles Team mit liebenswerten Menschen.