Marokko
Ein anderer Kontinent, eine andere Kultur, eine andere Sprache und andere Codes – eine andere Welt. Mau luege…
Niederscherli - Sète - Fähre
Ist Marokko der Ort, wo ich mich in einem kalten Winter südwärts absetzen möchte? Wie fühlt sich die Reise per Auto an? Wie erleben wir die muslimische Lebensart, wie die Kultur , wie das Essen und natürlich die Natur.

Servus Europa
Die Reise von Sète nach Nador dauert ganze zwei Tage... Zollabfertigung nicht mitgerechnet

Natur ART
Wunderbarste abstrakte Kunst, Spiel von Licht und Schatten, von Farben und Formen - direkt vor der Nase!
Uf u wäg
Mittlerweilen sind die meisten meiner Freunde pensioniert. Beklagt hat sich noch keiner und keine, obgleich einige von Anpassungsschwierigkeiten gesprochen haben. Nun, was weiss ich, was der Morgen bringt in einer Zeit, wo Trumps, Netanjahus, Putins, Mullahs und Jingpings am Drücker sind. Was für eine irre Welt!
Auf der anderen Seite gibt es so viel zu entdecken, was direkt vor der Nase oder etwas weiter weg liegt. Nun, da wir etwas Zeit geschenkt bekommen haben (Dienstaltersgeschenk), nutzen wir diese, um eine alte Frage von mir zu klären.
Vor über 25 Jahren in Mexiko am Strand von Maruata habe ich zwei Amis getroffen. Jeff und Susan werden sie wohl geheissen haben.Zwei Hippys, offensichtlich. Sie lebten in einem ratterigen Bus und Jeff ging jeden Morgen fischen mit der Harpune, um sich so den Zeltplatz und das Essen zu finanzieren. Sie machten das angeblich so schon viele Jahre. Im Sommer im Norden (USA) arbeiten gehen und im Winter, wenn das Wetter so um die 25 Grad ist in Maruata, zelten und fischen da. Das Cannabis wird auch gleich auf der anderen Seite der Strasse angebaut. Aber Achtung! Mafia! Lebensgefahr! Nicht cool!
Nun, gibt es etwas Vergleichbares von Europa aus gesehen? Das beschäftigt mich schon viele Jahre. Marokko?
Nador - Guercif - Imouzzer Kandar - Ourika - Id ou el Haiane - Safi - Tanger
Unsere Reise führt uns vom Norden, über Marrakesch bis an die Grenze zur Westsahara und an der Atlantikküste wieder in den Norden.

Servus Europa
Die Reise von Sète nach Nador dauert ganze zwei Tage... Zollabfertigung nicht mitgerechnet

Natur ART
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Reise - Stationen
Wie auf der Karte ersichtlich, wirst du als Marokko-Reisende und -Reisender mit echt grossen Distanzen konfrontiert. Da wir eh keinen 4×4 haben, wird meine Begeisterung Nebenstrassen befahren zu wollen, bereits zu Beginn gedämpft – die Strassen schlängeln sich endlos dahin. Im Winter 25/26 hat es relativ viel geregnet. Die Landschaft ist grün und abwechslungsreich. Teilweise hat es seit 20 Jahren zum ersten Mal ausgiebig geregnet.
Erste Station
https://www.facebook.com/benyakoubb/
Super nette Leute und unsere erste Tajine – mmh, lecker!
Zwischen Marakesch und Ourika
Regenwoche, schön fürs Land und die Leute, weniger für uns «Gfrölis»
Nadir - Camping Beyakoub
Unsere erste Station für eine Nacht. Wunderbar nette Leute bereiten uns unsere erste leckte Tajine her.
Imouzzer Kandar
Die nächste Station ist Imouzzer Kandar. Der Ort liegt auf einem umliegenden Hügel in der Nähe von Fès.
Dieses Fès mag ja sehr interessant sein, aber beim Gedanken mit dem Auto da reinzufahren, wird mir ganz anders. Nein, dieses Imouzzer Kandar scheint da doch viel übersichtlicher zu sein. Wir buchen zwei Nächte.
Ist wohl ein Markort, jedenfalls verströmt alles eine sehr ländliche Atmosphäre. Wie auf dem einen Bild zu sehen, sind sehr viele Leute… ehm, Männer unterwegs. Ob wir uns daran gewöhnen?
Im gelben Haus auf dem Hauptplatz (s. Google Maps) verbirgt sich der Gemüsemarkt. Doch wie viel kosten die Waren? Soll man märten? Dass alle Leute ein wenig Französisch sprechen, mag vielleicht in den grösseren Städten stimmen. Zumeist verständigen wir uns eher mit Händen und Füssen. Andere hingegen sprechen gut Englisch. Er hat eine Amerikanerin zur Frau, wie er etwas stolz erklärt. Schon der zweite. Als wir die Preise der Waren hören, ist uns klar, dass wir nicht märten werden. Für ein Kilo Orangen verlangen sie 8 Dirham, nicht einmal 70 Rappen.
Das Bild mit dem Mann in der Winterjacke. Es kann 14 Grad sein, aber vielleicht auch 30 Grad. Echt sonderbar. Die Leute tragen bei jedem Wetter Winterkleidung. Auf der anderen Seite schwanken die Temperaturen wirklich stark. Wir stellen fest, Marokko ist nicht überall und immer das warme Land, das wir erwartet haben.
Etwas Salat und viel, viel Grillade.
Aghouatim
Auf dem Weg nach Ourika staunen wir über die super Autobahnen. Naja, das haben wir nicht erwartet. Sieht ja aus wie in Frankreich (Das hier zu schreiben, ist mir etwas peinlich, aber trotzdem wahr).
Weiter geht’s zu einen Weiler zwischen Marakkesch und Ourika. Leider habe ich keine Foto vom Verkehr am Abend gefunden. Ein Gewussel von Fussgängern, Velo- Mofa und Autofahrer und -innen. Mit Anita als Navigator ist’s zu schaffen. Die Marokkaner sagen wohl: In schāʾa ʾllāh
Über AirBnB haben wir eine Wohnung für eine Woche gemietet, ländlich, gemütlich, auf den Fotos sieht’s schön aus. Hier seine Wegbeschreibung:
Endlich sind wir dort. Die Wohnung ist wirklich gemütlich. Das Wetter weniger. Während es in der Schweiz um die 20 Grad und mehr warm sein soll, regnet es hier und das Thermometer sinkt auf 15 Grad.
Tajine essen in Thalgoumt. Kommt allerdings nicht an die erste ran. Zu viel Fleisch, zu wenig Gemüse.
Zunächst werden Anita und ich zu Reptilien und erstarren, hüllen uns in Decken und sieben Lagen Kleidung ein, trinken Tee, hören Hörbucher, lesen und zeichnen. Die Geschichten (Regen & Verbrechen und andere Texte) von Ferdinand von Schirach sind der Hammer, echt! Achtung, Suchtgefahr! Und so richten wir uns nach und nach ein, Anita lernt Tajine kochen und ich mit Ölkreiden malen und tüftle an einem neuen Song. Sogar Yoga machen wir auf dem kalten Boden.
Dazwischen zieht es uns raus und wir ziehen Runden um unsere Umgebung zu erkunden. Wir stossen auf wunderbare Landschaften mit einer herzerfreuenden Pflanzenvielfalt und Schafe hütende Männer und Frauen. Besonders interessiert mich Kunst im Alltag. Wenn man die Augen etwas zukneift und man sich Boden nicht mehr als Boden anschaut, sondern wie ein Bild, ein Eingangstor nicht mehr als Tor sondern als Gemälde. In kleinen Kiosks decken wir uns mit dem Nötigsten ein. Einmal fahren wir nach Ourika Tajine essen und sind enttäuscht, nur Fleisch, kaum Gemüse. Immerhin verraten sie uns, wo der einzige Laden im weiten Umkreis ist, der Alkohol verkauft. Ein ander Mal fahren wir nach Tahnaout (s. Google Maps), um uns mit Gemüse einzudecken. Alles ist zu finden und die Menschen hilfsbereit – aber wo pinkeln, wenn in den Cafés nur Männer sitzen? So viel Solidarität habe ich mit Anita und wir sausen mit voller Blase zurück in unsere Festung.
Und am letzten Tag reisst der Himmel auf und… wow, erst jetzt sehen wir, dass wir direkt vor dem Atlasgebirge gewohnt haben. Wunderschön!
Echt nicht schön und gehört leider auch zur Geschichte, ist hingegen der Plastikabfall und das leider nicht knapp. Tut weh zu sehen.
Plastik - Plastik - Plastik
Der 52-Jährige Modou Fall alias Plastic Man ist unermüdlich unterwegs im Kampf gegen die Plastikverschmutzung in Senegal. ©Niklas Bruggeman
Echt nicht schön und gehört leider auch zur Geschichte, ist hingegen der Plastikabfall und das leider nicht knapp. Tut weh zu sehen.
Die Marokkaner und Marokkanerinnen scheinen sehr gesellige Leute zu sein. Am Wochenende packt die ganze Familie, Baby bis Grosseltern ihre Sachen ein und fahren raus zum Pick-Nick. Doch schön, oder?
Deutlich weniger schön, wenn diese Geselligkeit mitten im Plastikberg stattfindet. Das haben wir leider etliche Male gesehen.
Wie vor über 40 Jahren in Kreta gesehen. Jeder Einkauf landet automatisch in einer Plastiktüte und diese kurze Zeit später… irgendwo. Es ist zum Heulen. War letztlich mit ein Grund, die Rückreise einige Tage früher anzutreten.
Nun schickt mir Andi die Geschichte von Plastic Man und Niklas Bruggeman aus dem Senegal. Das gehört hierhin, respektive der Link zu dessen Homepage!
F: Leila Slimani hören? Unterwegs?
Ein gutes Hörbuch hören hat für mich die Qualität wie gute Reisemusik. Creedence Clearwater Revival Band kommt mir da in den Sinn. Für mich hat diese Autorin das Format einer Isabel Allende. In Marokko haben die Autobahnen Euroqualität und über viele, viele Kilometer ist kaum Verkehr. Ideal um in den Autopiloten zu wechseln. Ein Teil des Hirns fährt, der andere taucht in die Geschichte ein. Echt geilo!
F: Hilft die Geschichte Marokko besser zu verstehen?
Ja, unbedingt! Sie erzählt ja ihre Familiengeschichte und je näher sie der Jetztzeit kommt, ist es die Optik der Highsociety aus der sie selber stammt. Da wir bewusst die Städte umfahren haben, kamen wir vor allem mit der Landbevölkerung in Kontakt.
F: Was meinst du damit?
Wir können wenig über die Lebensweise von Menschen in den Städten sagen. Allerdings, aus dem was Leila Slimani erzählt, dem was wir aus YouTube-Beiträgen (siehe unten) erfahren und dem, was wir selber erlebt haben, lässt sich allerdings zumindest ein oberflächliches Bild zeichnen. Ein sehr widersprüchliches Bild. Wie schon angetönt, auf der einen Seite wird offenbar im grossen, ganz grossen Stil die Infrastruktur gepuscht. Tausende von neuen Häusern, wohin wir auch gekommen sind. Super ausgebaute Autobahnen, offenbar bis runter in die Westsahara. Riesige Anbauflächen, wobei offenbar das meiste immer noch Handarbeit ist.
Tönt doch alles super!
Das ist aber nur die eine Seite. Die Mehrheit der Menschen, die wir auf dem Land und in den eher kleinen Städten getroffen haben, scheinen mausarm zu sein und bildungsfern (Wikipedia: Bildung). Französisch können viele nicht wirklich und rechnen ist eine Glückssache. Je mehr wir eingetaucht sind, desto mehr verstärkte sich der Eindruck einer bäuerlich, konservativen und zumindest gegen aussen hin patriarchalen Gesellschaft. Kaum vorstellbar, wie diese Leute in die neuen Wohnungen verpflanzt werden sollen. In Cafés sitzen ausschliesslich Männer. Viele Frauen sind vollverschleiert, respektive man kann nur annehmen, dass es Frauen sind. Oft sieht man Frauen schwere Lasten tragen, während ein Mann gemächlich nebenher schreitet. Dazu kommt ein riesiges Abfallproblem.
F: Was heisst das für dich?
Ich habe ein wunderschönes Land kennengelernt mit einer Kultur, die mir in ihrer Einfachheit nicht fremd ist – Burundi und Mexiko habe ich ähnlich erlebt – und die einzelnen Menschen sehr liebenswürdig sind. Aber in meiner eigenen Geschichte habe ich mich von einem patriarchalisch konservativen Denken emanzipieren müssen. Im kürzlich Erlebten überlagern Konservatismus, patriarchale Muster, ideologisches Religionsverständnis und Angst vor Repression die Schönheit dieses Landes.






































































