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Leïla Slimani & mehr…

Leïla Slimani & mehr...

Vertiefung

Hören und Lesen

F: Leila Slimani hören? Unterwegs?

Ein gutes Hörbuch hören hat für mich die Qualität wie gute Reisemusik. Creedence Clearwater Revival Band kommt mir da in den Sinn. Für mich hat diese Autorin das Format einer Isabel Allende. In Marokko haben die Autobahnen Euroqualität und über viele, viele Kilometer ist kaum Verkehr. Ideal um in den Autopiloten zu wechseln. Ein Teil des Hirns fährt, der andere taucht in die Geschichte ein. Echt geilo!

F: Hilft die Geschichte Marokko besser zu verstehen?

Ja, unbedingt! Sie erzählt ja ihre Familiengeschichte und je näher sie der Jetztzeit kommt, ist es die Optik der Highsociety aus der sie selber stammt. Da wir bewusst die Städte umfahren haben, kamen wir vor allem mit der Landbevölkerung in Kontakt.

F: Was meinst du damit?

Wir können wenig über  die Lebensweise von Menschen in den Städten sagen. Allerdings, aus dem was Leila Slimani erzählt, dem was wir aus YouTube-Beiträgen (siehe unten) erfahren und dem, was wir selber erlebt haben, lässt sich allerdings zumindest ein oberflächliches Bild zeichnen. Ein sehr widersprüchliches Bild. Wie schon angetönt, auf der einen Seite wird offenbar im grossen, ganz grossen Stil die Infrastruktur gepuscht. Tausende von neuen Häusern, wohin wir auch gekommen sind. Super ausgebaute Autobahnen, offenbar bis runter in die Westsahara. Riesige Anbauflächen, wobei offenbar das meiste immer noch Handarbeit ist.

Tönt doch alles super!

Das ist aber nur die eine Seite. Die Mehrheit der  Menschen, die wir auf dem Land und in den eher kleinen Städten getroffen haben, scheinen mausarm zu sein und bildungsfern (Wikipedia: Bildung). Französisch können viele nicht wirklich und rechnen ist eine Glückssache. Je mehr wir eingetaucht sind, desto mehr verstärkte sich der Eindruck einer bäuerlich, konservativen und zumindest gegen aussen hin patriarchalen Gesellschaft. Kaum vorstellbar, wie diese Leute in die neuen Wohnungen verpflanzt werden sollen.  In Cafés sitzen ausschliesslich Männer. Viele Frauen sind vollverschleiert, respektive man kann nur annehmen, dass es Frauen sind. Oft sieht man Frauen schwere Lasten tragen, während ein Mann gemächlich nebenher schreitet. Dazu kommt ein riesiges Abfallproblem.

F: Was heisst das für dich?

Ich habe ein wunderschönes Land kennengelernt mit einer Kultur, die mir in ihrer Einfachheit nicht fremd ist – Burundi und Mexiko habe ich ähnlich erlebt – und die einzelnen Menschen sehr liebenswürdig sind. Aber in meiner eigenen Geschichte habe ich mich von einem patriarchalisch konservativen Denken emanzipieren müssen. Im kürzlich Erlebten überlagern Konservatismus, patriarchale Muster, ideologisches Religionsverständnis und Angst vor Repression die Schönheit dieses Landes.

Das Marokko unter König Mohammed VI. hat große Pläne: Es will sich als Pol der Moderne, Brücke zwischen Europa und Afrika sowie als unumgänglicher wirtschaftlicher und diplomatischer Player auf dem afrikanischen Kontinent aufstellen. Marokko als Brücke zwischen Europa und Afrika sowie als unumgänglicher wirtschaftlicher und diplomatischer Player – dieses Ziel bedienen Infrastruktur-Großprojekte ebenso wie die Ausrichtung der Männer-Fussball-WM 2030. Marokko, das 1956 die Unabhängigkeit von Frankreich und Spanien erlangte, hat eine Priorität auf dem internationalen Parkett: Die Westsahara soll als marokkanisches Staatsgebiet anerkannt werden. Seit mehr als 70 Jahren richtet das Land seine diplomatischen Beziehungen darauf aus. Nachdem Marokko jahrelang nur den Westen umgarnte, will es jetzt seine Allianzen diversifizieren und insbesondere für andere Staaten des afrikanischen Kontinents attraktiv werden.
27.08.2024
Marokko – ein Land mit einer der ältesten Dynastien der Welt und einem König, der nahezu alle Macht in seinen Händen vereint: Mohammed VI.
ARTE sendet das Porträt eines Mannes, der sein Leben lang darauf vorbereitet wurde, König Marokkos zu werden. Nach dem Tod seines Vaters Hassan II. tritt Kronprinz Mohammed 1999 die Nachfolge an und gilt für viele Marokkaner als Hoffnungsträger. In den ersten Jahren seiner Herrschaft sorgt er für die Einführung eines liberaleren Familienrechts, das Frauen mehr Rechte zusichert, und bringt zahlreiche Infrastrukturprojekte auf den Weg. Und als 2011 der Arabische Frühling auch Marokko erreicht, modernisiert Mohammed VI. sogar die Verfassung. Tiefgreifend demokratisch waren diese Reformen jedoch nie. Der Dokumentarfilm „Marokkos einsamer König“ gibt Antworten auf wichtige Fragen zu seiner 20-jährigen Regentschaft. Wie sieht Mohammed VI. die Zukunft seines Landes? Welche Fortschritte hat das Königreich unter seiner Herrschaft erreicht? Ist er wirklich ein progressiver König? Oder dient der Verzicht auf Teile seiner Befugnisse in Wirklichkeit nur dem eigenen Machterhalt?
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