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Wyden - Schwarzenburg

Der angefangene Comic «Wyden, Eine Reise ins Leben» soll eine Geschichte werden, die sicher nicht repräsentativ für die ganze Boomergeneration ist, aber so nur in diesem Zeitabschnitt möglich.

Weil Boomergeneration meine Zeit ist und ich selber immer wieder staune, wo wir gestartet und dann gelandet sind, bin ich fleissig am Zeichnen und recherchieren. Dabei bin ich auf ein paar Sachen gestossen, die mit dieser Geschichte zu tun haben.  Ein wenig Spoiler-Alarm, alles andere später – irgendwann!

Die ersten Jahre in Wyden sind geprägt von Ausprobieren und Entdecken, wie ich mein Leben und vor allem auch «meine Schule» umsetzen will. Auf der Suche nach neuen Ideen und diesem anderen Lebensgefühl begegne ich revolutionären Geistern wie Jürgen Reichen und bin völlig inspiriert und berührt von seinem Denken und Wesen. Dass der Erziehungsdirektor von Zürich, Alfred Gilgen, ihm die Unterrichtsbefugnis entzogen hat, sein Lehrgang aber weiterhin verwendet werden darf, erhebt Jürgen Reichen für mich auf Idol-Niveau. Es sind gerade solche Leute wie dieser Alfred Gilgen, die ein konservatives und engstirniges Lebensgefühl vertreten, gegen das ich vehement angetreten bin.

Andererseits – zu wissen, was man nicht will und mag, weil als lebensfeindlich empfunden, heisst noch lange nicht zu wissen, was denn anstelle davon zu tun ist. Das gilt im privaten aber auch im beruflichen Bereich. Dass ich die autoritäre Erziehung, die ich geniessen durfte, nicht an meine Kinder weitergeben will, das weiss ich, aber ich habe als junger Vater und Lehrer echt keine Ahnung, was denn die Alternative ist. Try and error ist daher meine Strategie. Das ist manchmal von Erfolg gekrönt und geht manchmal echt in die Hose. So bin ich ein Kind meiner Generation mit dem entsprechenden Lebensgefühl. Es ist sicher nicht ganz so clean, wie im Song «Babyboomsuperstar» von Jeans for Jesus. Aber ja, Irrungen und Wirrungen allemal.

Freilichtbühne Schwarzenburg

In meiner letzten Spielzeit mit der Freilichtbühne Schwarzenburg als Hansjoggeli.

Ein kleiner «Vreneli»-Boom

In ihrer mittlerweile siebenten Produktion bringt die Freilichtbühne Schwarzenburg eine legendäre Vorfahrin ihrer Nachbargemeinde auf die Bühne: Ds Vreneli ab em Guggisbärg. Otto von Greyerz hat in seiner Volksliedsammlung «Im Röseligarte» (1908) darauf hingewiesen, das Lied vom Vreneli, das «alte Guggisberger Lied», stamme aus dem frühen 18. Jahrhundert und ihm liege «eine wirkliche Begebenheit zugrunde». In seinem letzten Roman, «Gastlosen» (1986), ist Walther Kauer der unglücklichen Liebesgeschichte vom Vreneli und «Simes Hansjoggeli ännet em Bärg» nachgegangen. Zwar ist, wie er im Roman festhält, «geschichtlich eben zu wenig überliefert, schriftlich schon gar nichts».

 

 

Deshalb hat er historische Nachforschungen betrieben und seine fiktive Vreneli-Geschichte in die soziale und politische Situation des Schwarzenburgerlandes im späten 18. Jahrhundert eingeschrieben. Diese Geschichte hat er dann für Radio DRS auch zu einem Hörspiel verarbeitet, das Mitte Juni 1987 – kurz nach seinem Unfalltod an 27. April – ausgestrahlt worden ist. Nun hat der Theaterregisseur Markus Keller aus beiden Vorlagen eine Theaterfassung für die Freilichtbühne Schwarzenburg montiert.

Kauers Geschichte: Zur Zeit des Ancine régime ist Vrenelis Mutter Anna als junge Frau nach einer Vergewaltigung durch den Landvogt schwanger geworden. Das Kind, den «Bastard», hat sie später, auf der Flucht mit den verfolgten Fahrenden, zusammen mit ihrem Geliebten Ruedi, umgebracht. Ihr gemeinsames Kind, das Vreneli, wächst, nachdem Ruedi erschossen und Anna in den Selbstmord getrieben worden ist, als angenommenes Kind in der Ruchmühle auf. Seine Liebesbeziehung zum wohlhabenden Bauernsohn Hansjoggeli zerbricht, als durch missgünstige Mäuler bekannt wird, Vreneli sei die Tochter einer Kinds- und Selbstmörderin. Der verzweifelte Hansjoggeli fällt – im Dienst des untergehenden Ancien régime – nach einer sinnlosen Winkelried-Tat in der Schlacht von Neuenegg (1798). Und, so schliesst Kauers Roman, «das Vreneli hat keiner jemals mehr gesehen. Kein Mensch weiss, ob es in unbekannte Ferne geflohen ist oder ob es am Ende den gleichen Weg gewählt hat wie seine Mutter Anna: in die Tiefe des Mühlenteiches.»

Die diesjährige Produktion der Freilichtbühne Schwarzenburg scheint begünstigt durch einen sich abzeichnenden «Vreneli-Boom». Die Interpretation des alten Guggisberg-Lieds von Stephan Eicher klettert zur Zeit die Hitparaden hinauf, zur Schwarzenburger Premiere will der Fischer Verlag in Münsingen Kauers «Gastlosen» als Taschenbuch neu herausbringen, und auf Herbst plant auch das Kellertheater 1230 in der Berner Altstadt, eine Bühnenfassung des Vreneli-Stoffes zur Aufführung zu bringen.

Im Rückblick fallen mir Unterschiede zu heute auf und ich werde mir bewusst, wie viel in den letzten 40 Jahren passiert ist. Anderes scheint aber immer noch gleich zu sein wie damals, oder?

Vreneli & Spycher Rock

Wie mir scheint, hat uns Boomers am Ende des 20. Jahrhunderts eine grosse Aufbruch- und Umbruchstimmung erfasst. Waren es anfänglich Autoritäten wie Kirche und Staat, gegen die wir rebellierten, flogen uns, zumindest in meinem Umfeld, bald die eigenen alten Muster und Egotrips um die Ohren. 

Mit dem Freilichttheater Schwarzenburg spielte ich ein paar Produktionen mit, was dann mit dem Vreneli-Stück von Walter Kauer 1989 seinen Abschluss fand. Was vorher das Theater war, setzte sich für mich mit der Band «Spycher Rock» fort.

Die Glasi, das alternative Kulturzentrum Schwarzenburg, war dann der Höhepunkt des Ganzen. Als diese dann abbrannte, brannte für viele auch ein Lebensgefühl und eine Epoche ab.

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