Bardo - Dzogchen
Obwohl ich mich seit über 25 Jahren als «Dzogchen-Praktizierender» bezeichen, weiss ich eigentlich, wenig bis nichts darüber. Das hängt sicher damit zusammen, wie ich mit dieser Lehre in Kontakt gekommen bin. Mit etwas mehr Musse suche ich nun nach Infos zum Thema «Dzogchen» und merke, es berührt mich nicht nur gefühlsmässig, sonder auch intellektuell.
Die Welt als Ganzes ging zwar zur Jahrtausendwende nicht unter – aber meine schon! Die Wege von mir und meiner Frau trennten sich und ich stand da mit runtergelassener Hose. Mein ganzes Konstrukt, wie ich mir die Welt gedacht und zurecht gelegt hatte, war zerdeppert. Just in diesem Moment – ich lebte zu der Zeit in Mexiko – erzählte mir eine Freundin von Dzogchen. Sie schenkte mir eine Kassette und eine Kopie des Vajra-Songs und bald merkte ich, dass mir das Singen half, langsam, langsam wieder Boden unter den Füssen zu bekommen. Später bin ich sogar nach Merigar gegangen an ein Retreat von Namkhaii Norbu. Aber ob mein Englisch zu schlecht war, oder ob ich all diese vielen tibetanischen Begriffe und Glaubensvorstellungen nicht verstehen konnte, ich blieb beim Singen dieser recht kurzen Praxis. Ich verliess mich dabei auf mein Gefühl, dass das für mich genügt und zugleich das Wesentliche ist.
Bis auf den heutigen Tag bezeichne ich mich nicht als Buddhist, eher schon als freier Mitarbeiter. In meinem Verständnis geht es nicht darum, etwas zu glauben, sondern um einen möglichen Weg, eigene Erfahrungen zu machen und vielleicht daraus was zu lernen. So verstehe ich auch, was Yongey Mingyur Rinpoche über die verschiedenen Bardo-Zustände erzählt. Da gibt es nichts zu glauben, aber rauszufinden, ob und was daran wahr ist. Mich damit auseinander zu setzen, erscheint mir jedenfalls interessant, wesentlich und führt mich sicherlich weiter auf meinem Weg. Ich vertraue da meinem Gefühl – und auch ein wenig meinem Verstand. Auf jeden Fall sind mir die drei ersten Bardo-Zustände etwas klarer geworden. Nun weiss ich aber auch, wie man sich im Dzogchen die drei weiteren Zustände vorstellt.
So werde ich mehr und mehr zum Zuschauer und Beobachter meiner selbst – im Wachzustand, im Traum und in der Meditation. Wenn du dich angesprochen fühlst, dich selber zu entdecken, so freut mich das.
Was passiert, wenn du stirbst?
Nachfolgend eine KI-Zusammenfassung
Die drei Bardos des Lebens (Zustände der Verkörperung)
- Kye-ne Bardo (Bardo dieses Lebens / Bardo der Geburt)
- Umfang: Beginnt mit dem Moment der Empfängnis bzw. Geburt und erstreckt sich über die gesamte Spanne der physischen Existenz bis zum Eintritt des Sterbeprozesses.
- Charakteristik: Dies ist der gewöhnliche Wachzustand, in dem der Geist mit der physischen Sinneswelt, dem physischen Körper, Gedanken, Emotionen und alltäglichen Identitätskonstrukten konfrontiert ist.
- Bedeutung: Es ist das primäre Fenster der Gelegenheit zur spirituellen Praxis und Schulung des Bewusstseins, da in diesem Zustand die stabilsten Bedingungen herrschen, um Achtsamkeit, Mitgefühl und die Natur des Geistes zu kultivieren.
- Milam Bardo (Bardo des Traums)
- Umfang: Beginnt beim Einschlafen und erstreckt sich über die Phasen des Träumens bis zum Aufwachen.
- Charakteristik: Im Traumzustand ist das grobstoffliche sensorische Bewusstsein abgeschaltet, während das feinstoffliche Bewusstsein Traumprojektionen erzeugt. Wahrnehmungen im Traum erscheinen ebenso real wie im Wachzustand, bestehen jedoch ausschließlich aus geistigen Formen und emotionalen Impressionen.
- Bedeutung: Durch Praktiken wie Traum-Yoga kann gelernt werden, die Illusionsnatur der Träume zu erkennen (Lucid Dreaming/Luzides Träumen), was als direkte Vorbereitung auf das Erkennen der Illusionsnatur der Phänomene im Todes-Bardo dient.
- Samten Bardo (Bardo der Meditation / der vertieften Konzentration)
- Umfang: Zustand, der während tiefer meditativer Absorption (Samadhi) oder hoher meditativer Stille erfahren wird.
- Charakteristik: In diesem Zustand kommen die gewöhnlichen kognitiven Projektionen, begrifflichen Gedanken und das discursive Ego-Gefühl zur Ruhe. Das Bewusstsein verweilt in einer klaren, gewahrseinsorientierten und unerschütterlichen Präsenz.
- Bedeutung: Dieser Bardo gewährt einen direkten Zugang zur zeitlosen Natur des Geistes (Rigpa) und bildet das fundierte Fundament, um im Moment des Sterbens die fundamentale Klarheit schockfrei wiederzuerkennen.
Die drei Bardos des Sterbens und des Nach-Todes (Zustände der Auflösung und Neugeburt)
- Chikhai Bardo (Bardo des Sterbens)
- Umfang: Beginnt mit dem Einsetzen des Sterbeprozesses (Auflösung der physischen Elemente und inneren Winde/Pranas) und endet mit dem physischen wie energetischen Tod.
- Charakteristik: Dieser Prozess durchläuft die schrittweise Auflösung der äußeren Elemente (Erde auflöst in Wasser, Wasser in Feuer, Feuer in Wind, Wind in Bewusstsein) sowie die Auflösung der feinstofflichen Bewusstseinsstadien (Weißes Erscheinungsbild, Rotes Zunehmen, Schwarzes Nahe-Erlangen).
- Höhepunkt: Am Ende dieser Auflösung offenbart sich das „Wahrhafte Klare Licht“ (Luminosity / Clear Light) – die reine, unkonditionierte Grundnatur des Bewusstseins. Erkennt das Bewusstsein dieses Licht als sein eigenes Wesen, erlangt es Befreiung.
- Chönyid Bardo (Bardo der dharmischen Realität / der essenziellen Natur)
- Umfang: Tritt direkt nach dem Chikhai Bardo ein, sofern das Klare Licht im Moment des Todes nicht erkannt wurde.
- Charakteristik: Das getrennte Bewusstsein erfährt kraftvolle visionäre Projektionen der eigenen Geisteszustände. Dies manifestiert sich in Form von überwältigenden Lichtern, Klängen, strahlenden Gottheiten (friedvollen und zornvollen Formen) und energetischen Frequenzen.
- Bedeutung: Sämtliche Erscheinungen sind Projektionen der eigenen Buddhanatur bzw. des eigenen Geistes. Wenn der Geist diese Visionen erkennt und keine Furcht entwickelt, erfährt er die Befreiung; werden sie jedoch aus Furcht oder Anhaftung abgelehnt oder missverstanden, setzt sich die Reise fort.
- Sidpa Bardo (Bardo des Werdens / der Reinkarnation)
- Umfang: Setzt ein, wenn die Visionen des Chönyid Bardo vergehen und das Bewusstsein von karmischen Tendenzen in Richtung einer neuen Existenzform getrieben wird.
- Charakteristik: Der Geist nimmt einen feinstofflichen Mentalkörper an und wird von Wünschen, Verlangen, Ängsten und Neigungen überschwemmt. In dieser Phase sucht das Bewusstsein Zuflucht in einer neuen Form der Verkörperung und wird magnetisch zu den Pfaden der sechs Daseinsbereiche hingezogen.
- Abschluss: Sobald der Geist die energetischen Schwingungen künftiger Eltern wahrnimmt und durch Anziehung gebunden wird, tritt er in den Uterus bzw. die jeweilige Form der Empfängnis ein, womit der Zyklus von Neuem mit dem Kye-ne Bardo beginnt.